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8.8.13

Die Milchquote geht, Kexxtone kommt!


Nach Blue-Jeans, Big-Mac und Halloween erreicht uns nun eine weitere Segnung aus Nordamerika: Der Monensin-Langzeitbolus zur Verringerung der Ketosehäufigkeit bei Milchkühen!

Monensin? Ist das nicht ein Antibiotikum oder Kokzidiostatikum?

Da gab es doch früher einen Leistungsförderer für Mastbullen, der hörte sich so ähnlich an! Genau, Rumensin hieß es damals, Inhaltsstoff war Monensin, konnte beim Kraftfutterlieferanten einfach bestellt werden….   aber wehe das Bullenkraftfutter wurde Milchkühen vorgelegt – nein, das war ausdrücklich verboten!

Wenn man googelt findet man viele wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem angloamerikanischen Raum und Australien zur Wirkung von Monensin bei Milchkühen. Der Wirkstoff verringert die Trockenmasseaufnahme bei Kühen, steigert dennoch die Milchleistung und erhöht den Milchfett- und Milcheiweißertrag. Den höchsten Effekt erzielt man in der Kombination mit bovinem Wachstumshormon!

Irgendwie hört sich das nach Leistungsförderer an, oder?  Nein, die sind doch lange verboten, undenkbar in Deutschland!

Der Monensin-Langzeit-Bolus wurde von der EMA (European Medicines Agency) EU-weit als Tierarzneimittel zugelassen. Hierzulande ist es verschreibungspflichtig! Damit ist sind die Hoftierärzte diejenigen, die den Einsatz dieses Präparates zu verantworten haben!
Gemäß § 59d Abs. 2 des AMG dürfen pharmakologisch wirksame Stoffe, die nicht im Anhang der Verordnung (EU) Nr. 37/2010 aufgeführt sind, (…)einem der Lebensmittelgewinnung dienenden Tier nicht verabreicht werden. 

Im Anhang der EU-Verordnung 37/2010 ist Monensin für die Anwendung am Rind aufgeführt, allerdings wird es unter der Rubrik „therapeutische Einstufung“ als Mittel gegen Infektionen/Antibiotika gelistet.

  •  Ist die Ketose seit Neuem eine Infektionskrankheit? Bedarf die „Senkung der Ketosehäufigkeit“ eines Antibiotikums?

  • Sollen wir Tierärzte das Antibiotikum Monensin verschreiben, um Management und Fütterungsdefizite zu kompensieren? 
  •  Können wir „klassische Maßnahmen“ zur  Vorbeugung der Ketose, die auf den Energiestoffwechsel einwirken, ohne  mit potentiellen Risiken einer Antibiotikaanwendung verbunden zu sein als nachrangige  Methoden einstufen? 
  •  Ist ein Leistungsniveau von Milchkühen, das den vorbeugenden Einsatz eines Antibiotikum-Langzeitbolus erfordert, um die Gesundheit der Tiere zu gewährleisten, nicht doch als tierschutzwidrig abzulehnen? 
  • Findet eine Lebensmittelproduktion, die den vorbeugenden Einsatz eines Antibiotikum-Langzeitbolus erfordert, um die Gesundheit der Kühe zu gewährleisten,  Akzeptanz bei den Verbrauchern?

In einer fast einstimmig verabschiedeten Resolution fordert die Kammerversammlung der Tierärztekammer Niedersachsen die BTK dazu auf, sich mit dieser Thematik zu befassen und detaillierte Informationen einzuholen.

Die Bundestierärztekammer  soll insbesondere bei der EMA eine Stellungnahme einfordern, wie  eine solche Tierarzneimittelzulassung im Rahmen der europäischen Bemühungen zum verantwortungsvollen Umgang mit antibiotischen Wirkstoffen und der Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika bei Tieren zu bewerten ist.
Im Lichte dieser Erkenntnisse möge die Bundestierärztekammer entscheiden, ob auch eine Änderung der Zulassungsbedingungen durch die EMA eingefordert werden muss.

Wenn das Verbraucheransehen des „weißen Lebensmittels“ Milch „schmutzige Flecken“ bekommt, wirkt dieses Produkt vielleicht insbesondere gegen den Nutztierpraktikermangel, weil es mit Kexxtone  in der Summe gar nicht mehr, sondern weniger und billigere Milch gibt!


Gastbeitrag von 
Dr. Michael Drees
Worpswede, Niedersachsen

12.1.12

Buchtipp: Ketose, Azidose & Co.


Autorinnen: Mahlkow-Nerge, Tischer

Subklinische Stoffwechselstörungen sind häufig der Anfang allen Übels in der Tiergesundheit. Sie sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar, erhöhen aber das Risiko für das Auftreten weiterer Krankheiten in der Herde, wie z.B. Euter- und Klauenerkrankungen, Gebärmutterentzündungen, Nachgeburtsverhaltungen oder generell schlechte Fruchtbarkeitsergebnisse.
Die Autorinnen zeigen anhand von Praxisfällen aus der Betriebsberatung, wie der Landwirt seine LKV-Berichte richtig liest, Rationen bewertet und wie mit Hilfe der tierärztlichen Bestandsbetreuung Krankheiten frühzeitig erkannt und effektiv behandelt bzw. vorgebeugt werden können.



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